Broken-Link-Check · Praxis

Das Datenblatt ist weg. Der Kunde vielleicht auch.

EU WebCheck · Quellenstand 09.09.2026 · 6 Minuten Lesezeit

Pakete mit Produkt-, Bild- und Dokumentensymbolen auf einem Förderband.

Die Produktseite verspricht ein Datenblatt. Der Download liefert einen Fehler. Für das Unternehmen ist das vielleicht eine vergessene Datei. Für den Kunden fehlt genau die Information, die er vor der Bestellung noch gebraucht hätte.

Bei defekten Links denken viele zuerst an eine große „404 – Seite nicht gefunden“-Meldung. Im Alltag sind die Folgen oft unscheinbarer: Ein Produktbild bleibt leer. Die Montageanleitung öffnet sich nicht. Ein Verweis auf das passende Zubehör führt ins Nirgendwo. Die Website wirkt auf den ersten Blick ordentlich – und lässt ihre Besucher beim zweiten Klick allein.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur Seitenlinks zu prüfen. Bilder, PDFs und andere Downloads gehören zur Qualität einer Website genauso dazu. Besonders dann, wenn sie Fragen beantworten, die sonst eine Anfrage oder einen Kauf verhindern.

Eine Datei ist kein Anhang zweiter Klasse

Stellen Sie sich einen Kunden vor, der vor dem Kauf die Einbaumaße eines Produkts sucht. Die Produktbeschreibung ist gut, der Preis passt, die Lieferzeit auch. Nur das verlinkte Datenblatt fehlt. Vielleicht fragt der Kunde nach. Vielleicht bestellt er dort, wo er die Information sofort bekommt.

Eine andere Besucherin möchte ein Seminarangebot intern weiterleiten. Der Link „Programm als PDF“ stammt aber noch aus dem Vorjahr und endet auf einer entfernten Datei. Auch hier geht es nicht bloß um Technik. Ein wichtiger nächster Schritt wird unnötig umständlich.

Solche Beispiele sind Alltagsszenarien, keine Messung eines bestimmten Umsatzverlusts. Ein Link-Check kann nicht berechnen, wie viele Käufe deshalb ausbleiben. Er kann aber die konkreten Stellen sichtbar machen, an denen ein versprochener Inhalt technisch nicht erreichbar ist.

Wie defekte Produktlinks und Downloads entstehen

Viele Dateifehler beginnen mit einer gut gemeinten Aufräumaktion. Jemand ersetzt eine Broschüre, entfernt alte Medien oder benennt einen Ordner um. Die neue Datei liegt danach sauber in der Mediathek. Die Links aus älteren Artikeln zeigen trotzdem auf den alten Pfad.

Bei Bildern kommt hinzu, dass ein Content-Management-System verschiedene Größen erzeugen kann. Ein großes Bild funktioniert, während eine eingebundene kleinere Variante fehlt. Oder eine Bildoptimierung ändert Pfade und Dateiformate, ohne alle bisherigen Verwendungen zu berücksichtigen. Ein Blick auf die Startseite reicht dann nicht.

Externe Ziele sind eine weitere Fehlerquelle. Lieferanten nehmen Artikel aus dem Sortiment, Partner strukturieren ihre Website um und Downloadportale ersetzen Adressen. Ihre eigene Website muss dafür nicht verändert worden sein. Trotzdem enthält sie nun einen Link, der nicht mehr zum versprochenen Inhalt führt.

Vier Fragen für jeden auffälligen Link

Eine brauchbare Fehlerliste beantwortet mehr als „404 gefunden“. Für die Bearbeitung braucht Ihr Team den Zusammenhang:

  • Wo steht der Link? Die Fundseite zeigt, welcher Text, Button oder Bildbereich bearbeitet werden muss.
  • Was wurde versprochen? Datenblatt, Produkt, Bild, Teilnahmeformular oder Preisliste haben unterschiedliche Funktionen.
  • Was antwortet das Ziel? Fehlender Inhalt, Serverfehler, Weiterleitung und blockierter Abruf sind nicht dasselbe.
  • Was ist der richtige Ersatz? Eine technisch erreichbare Seite ist nur dann hilfreich, wenn sie auch inhaltlich passt.

So lässt sich priorisieren. Die defekte Anleitung eines häufig verkauften Produkts gehört meist früher auf den Tisch als ein veralteter Link in einer wenig besuchten Veranstaltungsankündigung. Entscheidend ist der Zweck der Fundstelle, nicht allein die Farbe einer technischen Meldung.

Erreichbar ist nicht automatisch richtig

Ein automatischer Check prüft, ob ein gefundenes Ziel beim technischen Abruf erreichbar ist. Das ist eine wichtige, aber begrenzte Aussage. Ein Server kann erfolgreich antworten und trotzdem die falsche PDF, ein veraltetes Datenblatt oder eine Anmeldeseite liefern.

Auch die inhaltliche Richtigkeit einer Anleitung, die tatsächliche Verfügbarkeit eines Produkts oder die Lesbarkeit jedes PDF-Inhalts lässt sich aus dem HTTP-Status nicht ableiten. Wenn Ihre Besucher bestimmte Dateien dringend benötigen, gehört das manuelle Öffnen und Gegenlesen dieser Dateien zur Qualitätssicherung dazu.

Bei eingebundenen Bildern kann der Scan zudem nur prüfen, was er tatsächlich entdeckt. Inhalte, die erst nach besonderen Klicks, einer Anmeldung oder anderen Interaktionen erscheinen, können fehlen. Ein vollständiger Prüfbericht sollte den erreichten Umfang ausweisen, statt eine pauschale Vollständigkeit zu versprechen.

Reparieren, weiterleiten oder entfernen?

Den Link direkt korrigieren ist oft die beste Lösung. Wenn die neue Montageanleitung bereits existiert, ändern Sie die Fundstelle auf diese Adresse. Besucher gelangen ohne unnötigen Umweg zum Ziel, und die Website bleibt leichter wartbar.

Eine dauerhafte Weiterleitung ist sinnvoll, wenn der alte Inhalt an einer neuen Adresse weiterlebt. Sie hilft auch Menschen, die den alten Link gespeichert haben oder aus einer E-Mail aufrufen. Wichtig ist der passende Ersatz: Die Anleitung für Modell A sollte nicht kommentarlos bei Modell B enden.

Den Link entfernen oder den Hinweis umformulieren kann richtig sein, wenn es keinen sinnvollen Ersatz gibt. Ein sauber erklärtes Ende ist hilfreicher als eine überraschende Weiterleitung zur Startseite. Google weist ausdrücklich darauf hin, dass viele alte Adressen nicht pauschal auf eine unpassende Seite umgeleitet werden sollten; das kann als Soft-404 behandelt werden. Siehe Googles Hinweise zu URL-Änderungen.

Ein echter HTTP-404 ist dabei nicht grundsätzlich ein SEO-Notfall. Entfernte Inhalte dürfen fehlen. Problematisch wird es für Ihre Besucher dort, wo aktive Seiten weiterhin genau diese nicht mehr vorhandenen Inhalte versprechen.

Die kleine Dateiinventur vor der nächsten Kampagne

Beginnen Sie bei Seiten, auf die Sie gerade Menschen schicken: beworbene Produkte, Landingpages, aktuelle Seminare und häufig genutzte Supportartikel. Prüfen Sie deren zentrale Links und Downloads zuerst. Danach können Sie ältere Inhalte systematisch abarbeiten.

Halten Sie bei wichtigen Dokumenten fest, wer sie pflegt und an welchen Stellen sie verlinkt sind. Verwenden Sie verständliche Dateinamen und planen Sie bei einer neuen Version, was mit der bisherigen Adresse geschieht. Ein Versionswechsel darf nicht zufällig darüber entscheiden, ob alte Verweise weiterhin funktionieren.

Prüfen Sie die wichtigsten Downloads auch auf dem Smartphone. Ein erreichbares PDF kann dort immer noch schwer zu bedienen sein. Das ist kein defekter Link im engeren Sinn, aber ein guter Anlass, Kerninformationen zusätzlich als normale Webseite anzubieten.

Lieber eine kleine Routine als der große Link-Frühjahrsputz

Ein Link-Check ist besonders nützlich nach Medienbereinigungen, Shop-Umbauten und Änderungen an Partnerangeboten. Er ersetzt nicht die redaktionelle Verantwortung. Er liefert ihr eine übersichtliche Arbeitsliste.

Verteilen Sie die Befunde nach Zuständigkeit: Redaktion korrigiert Fundstellen, Entwicklung kümmert sich um Pfade und Weiterleitungen, Produktverantwortliche bestimmen den passenden Ersatz. So wird aus „Die Website hat defekte Links“ eine Reihe überschaubarer Aufgaben.

Den besonders wichtigen Weg zur Anfrage behandeln wir im Artikel über defekte Terminbuchungslinks. Für größere Umbauten gibt es die Relaunch-Checkliste für URLs und Weiterleitungen.