Broken-Link-Check · Checkliste

Neue Website. Alte Links. Wer hat den Nachsendeauftrag vergessen?

EU WebCheck · Quellenstand 09.09.2026 · 5 Minuten Lesezeit

Eine Miniatur-Website zieht um; ein blauer Pfeil verbindet alte und neue Adresse.

Eine Website zieht um. Das Design ist neu, die Navigation aufgeräumt, die Texte endlich aktuell. Nur ein paar hundert alte Links haben vom Umzug nichts mitbekommen. Ein Relaunch ist deshalb auch eine Adressänderung – und braucht einen Nachsendeplan.

Neue URLs wirken während eines Projekts oft wie ein kleines Detail. Aus „unternehmen/leistungen/“ wird „beratung“, aus langen Produktpfaden eine schöne neue Struktur. Für bestehende Links sind es jedoch unterschiedliche Adressen. Suchmaschinen, gespeicherte Lesezeichen, Newsletter und Anzeigen kennen zunächst weiterhin die alten.

Wer nach dem Relaunch 404-Fehler prüfen möchte, sollte nicht nur die neue Website durchsuchen. Entscheidend ist auch der Blick zurück: Welche Adressen wurden bisher genutzt, und wohin sollen sie künftig führen?

Vor dem Relaunch: die alten Adressen sichern

Eine URL-Liste vor dem Umbau ist ein erstaunlich wertvolles Dokument. Sie muss nicht elegant sein. Wichtiger ist, dass sie die bisher öffentlich erreichbaren Seiten enthält und um relevante Adressen aus weiteren Quellen ergänzt wird.

Dazu gehören beispielsweise Kampagnen-Landingpages, häufig verlinkte Downloads und URLs aus früheren Newslettern. Manche dieser Seiten sind im aktuellen Menü nicht erreichbar. Ein Crawl, der ausschließlich internen Links folgt, entdeckt sie möglicherweise nicht. Auch deshalb ist „Wir haben die neue Startseite geprüft“ keine vollständige Relaunch-Kontrolle.

Ergänzen Sie die Liste, soweit verfügbar, mit Informationen aus Ihrer Webanalyse und der Search Console. Welche Seiten werden genutzt? Welche besitzen wichtige externe Links? Diese Informationen helfen bei der Priorisierung. Sie ersetzen aber nicht die Entscheidung, welcher neue Inhalt wirklich zum alten passt.

Das URL-Mapping: alt links, neu rechts

Ordnen Sie jeder wichtigen alten Adresse ein Ergebnis zu. Die Möglichkeiten sind überschaubar: Die Adresse bleibt unverändert, der Inhalt zieht um, mehrere Inhalte werden sinnvoll zusammengeführt oder der Inhalt entfällt ohne Ersatz.

Für eine übersiedelte Leistungsseite ist die neue Seite derselben Leistung der naheliegende Ersatz. Für ein eingestelltes Produkt kann eine erklärende Nachfolgeseite sinnvoll sein. Gibt es keinen passenden Ersatz, sollte das bewusst dokumentiert werden. Nicht jede alte Adresse braucht um jeden Preis eine neue Zielseite.

Bei zusammengeführten Inhalten lohnt sich ein genauer Blick auf die Nutzerabsicht. Eine neue Übersichtsseite kann passen, wenn sie die gesuchte Information tatsächlich aufnimmt. Eine Startseite, auf der Besucher von vorne suchen müssen, ist meist kein guter Nachsendeauftrag.

301, 308, 302, 307: Was soll dauerhaft sein?

Bei dauerhaften Umzügen kommen serverseitige permanente Weiterleitungen wie 301 oder 308 infrage. Vorübergehende Weiterleitungen wie 302 oder 307 signalisieren etwas anderes. Die Auswahl sollte zur tatsächlichen Änderung passen und technisch sauber umgesetzt werden. Google erklärt die Unterschiede und bevorzugten Verfahren in der Dokumentation zu Weiterleitungen.

Für die redaktionelle Planung müssen Sie nicht alle HTTP-Details auswendig lernen. Schreiben Sie auf, ob der Umzug dauerhaft ist und welche neue Adresse das richtige Ziel darstellt. Die technische Umsetzung kann dann die verantwortliche Entwicklung oder das Hosting-Team übernehmen.

Danach reicht es nicht, eine Regel in der Konfiguration zu sehen. Rufen Sie die alte Adresse auf und kontrollieren Sie das tatsächliche Endziel. Achten Sie auf Schleifen, unnötige Ketten und überraschende Sprachwechsel. Ein einziger nachvollziehbarer Weg ist leichter zu prüfen als mehrere hintereinander geschaltete Umwege.

404 ist kein verbotenes Wort

Eine nicht mehr existierende Seite darf mit 404 antworten; 410 kann ausdrücklich auf dauerhaft entfernte Inhalte hinweisen. Entscheidend ist, dass die Antwort zum Zustand passt. Eine hübsch gestaltete Fehlerseite mit HTTP 200 macht den fehlenden Inhalt nicht wieder verfügbar.

Auch die pauschale Behauptung, jeder 404 schade automatisch dem gesamten Ranking, führt in die falsche Richtung. Google beschreibt fehlende Seiten als normalen Teil des Webs. Relevant sind insbesondere falsche Verlinkungen, versehentlich verschwundene Inhalte und fehlende Weiterleitungen bei echten Umzügen. Siehe Googles Hinweise zu Crawling-Fehlern.

Gestalten Sie eine echte Fehlerseite trotzdem hilfreich. Eine Suche, sinnvolle Einstiege und eine verständliche Erklärung geben Besuchern Orientierung. Sie ersetzen keine notwendigen Weiterleitungen, machen aber unvermeidbare Sackgassen weniger frustrierend.

Eine Weiterleitung ist ein Sicherheitsnetz für alte Aufrufe. Sie sollte nicht zum Dauerersatz für die Pflege Ihrer eigenen Website werden. Wenn ein Menüpunkt, Blogartikel oder Produkttext noch auf die alte URL zeigt, ändern Sie die Fundstelle direkt.

Denken Sie auch an Sprachversionen, Footer, Bildverweise und Downloads. Eine Navigation kann fehlerfrei sein, während in älteren Artikeln noch Dutzende alte Pfade stehen. Gerade diese verstreuten Fundstellen findet ein automatischer Link-Check effizienter als eine stichprobenartige Durchsicht.

Externe Links können Sie nicht immer selbst ändern. Bei wichtigen Partnern, Anzeigen und eigenen Profilen lohnt sich die Aktualisierung trotzdem. So reduzieren Sie die Abhängigkeit von Weiterleitungen und stellen sicher, dass auch beschreibende Texte weiterhin zum neuen Ziel passen.

Eine Relaunch-Abnahme, die nicht beim Screenshot endet

Teilen Sie die Prüfung in drei nachvollziehbare Durchgänge. Das verhindert, dass ein schönes Layout fälschlich als Nachweis für funktionierende Wege gilt.

  1. Alte Adressen aufrufen. Prüfen Sie anhand des Mappings, ob sie beim vorgesehenen neuen Ziel landen oder korrekt als entfernt beantwortet werden.
  2. Die neue Website durchsuchen. Kontrollieren Sie gefundene interne und externe Links, eingebundene Dateien und den ausgewiesenen Scan-Umfang.
  3. Wichtige Besucherwege manuell testen. Beratung buchen, Produkt finden, Anleitung laden oder Kontakt aufnehmen: Erfolgreiches Laden allein beweist noch keinen funktionierenden Ablauf.

Für den letzten Punkt sind unsere Artikel über Terminbuchungslinks und Produktlinks und Downloads eine praktische Ergänzung. Bei Formularen sollte ein vereinbarter Testprozess vermeiden, dass unbeabsichtigt echte Bestellungen oder Termine entstehen.

Nach dem Go-live ist nicht vor der nächsten Kontrolle

In den Tagen nach einem Relaunch werden häufig noch Inhalte ergänzt und Fehler korrigiert. Prüfen Sie betroffene Bereiche nach diesen Änderungen erneut. Behalten Sie außerdem Hinweise auf aufgerufene alte Adressen im Blick, soweit Ihnen entsprechende Protokolle und Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Ein einmaliger Scan ist eine Momentaufnahme, kein dauerhaftes Monitoring. Er zeigt, was beim konkreten Durchlauf erreicht und geprüft wurde. Genau deshalb sollte ein Prüfbericht mit Datum, Umfang und Fundstellen aufbewahrt werden: Er macht die Abnahme nachvollziehbar, ohne eine dauerhaft fehlerfreie Website zu versprechen.

Der beste Zeitpunkt für den Nachsendeplan ist vor dem Umzug. Der zweitbeste ist jetzt, bevor die nächste Kampagne Besucher an eine Adresse schickt, die es nicht mehr gibt.