Broken-Link-Check · Scan-Abdeckung

Die Landingpage ist online. Nur findet sie niemand.

EU WebCheck · Quellenstand 09.09.2026 · 5 Minuten Lesezeit

Eine Browserkarte steht auf einer separaten Insel neben einem durch Brücken verbundenen Seitennetz.

Die Landingpage funktioniert. Sie steht nur in keinem Menü, keinem Beitrag und keinem anderen internen Link mehr. Früher führte eine Anzeige dorthin. Heute liegt ihre Adresse in einem alten Newsletter und auf einem Flyer im Empfangsbereich. Für Besucher mit dem Link ist sie noch da. Für einen Crawler, der Ihrer Website von Link zu Link folgt, kann sie unsichtbar bleiben.

Solche verwaisten Seiten sind auf gewachsenen Websites nicht ungewöhnlich. Sie entstehen nach Kampagnen, Relaunches und Zuständigkeitswechseln. Das Problem ist nicht allein, dass sie schwer auffindbar sind. Auf ihnen können alte Preise, abgelaufene Formulare und defekte Downloads weiterleben. Wer den Website-Bestand prüfen möchte, sollte deshalb nicht nur von der Startseite ausgehen.

Was macht eine Seite zur verwaisten Seite?

Gemeint ist hier eine Seite, zu der kein interner Link aus dem betrachteten Website-Bestand führt. Sie kann trotzdem öffentlich erreichbar und möglicherweise in Suchmaschinen bekannt sein. „Verwaist“ bedeutet also nicht automatisch „gelöscht“ oder „nicht indexiert“. Es beschreibt zunächst eine Lücke in der internen Verbindung. Die genaue Einordnung hängt davon ab, welche Seiten und Linkquellen Sie für den Vergleich heranziehen.

Manche Landingpages sind absichtlich nicht im Hauptmenü. Das ist nicht dasselbe wie ein unkontrollierter Altbestand. Entscheidend ist, ob Zweck, Verantwortlicher und weitere Verwendung bekannt sind. Eine aktuelle Kampagnenseite kann ohne Menüeintrag sinnvoll sein. Eine längst vergessene Anmeldeseite mit einem veralteten Ansprechpartner ist etwas anderes. Ihre Inventur sollte diese Fälle auseinanderhalten.

Wo finden Sie Adressen, denen der Crawler nicht begegnet?

Beginnen Sie mit dem CMS: Welche veröffentlichten Seiten sind vorhanden? Ergänzen Sie Sitemaps, Kampagnenlisten, alte Newsletter, Anzeigenziele und gedruckte Materialien. Je nach Betrieb können auch Formularsysteme oder getrennte Landingpage-Werkzeuge weitere Adressen enthalten. Diese Quellen liefern unterschiedliche Ausschnitte. Keine einzelne Liste sollte ungeprüft als vollständiger Website-Bestand gelten.

Eine Sitemap kann Suchmaschinen beim Auffinden von Inhalten helfen. Google erläutert dazu ausdrücklich, dass eine eingereichte Sitemap weder Crawling noch Indexierung garantiert. Für Ihre eigene Inventur ist sie eine zusätzliche Adressquelle. Vergleichen Sie sie mit dem CMS und dem tatsächlichen Crawl, statt aus ihrer Existenz bereits Vollständigkeit abzuleiten.

Aus mehreren Listen wird ein überschaubarer Abgleich

Führen Sie die Adressen in einer gemeinsamen Tabelle zusammen. Sinnvolle Spalten sind Quelle, öffentliche Erreichbarkeit, Zweck, Verantwortlicher und im Crawl gefunden: ja oder nein. Bewahren Sie Unterschiede in Pfaden und Parametern zunächst bewusst auf. Eine Kampagnenadresse mit zusätzlichen Parametern kann auf denselben Inhalt führen, aber für die Auswertung oder Auswahl einer Variante relevant sein.

Bearbeiten Sie die auffälligen Einträge anschließend in kleinen Gruppen. Prüfen Sie zuerst Seiten, die noch in aktiven Anzeigen, E-Mails oder Drucksachen verwendet werden. Danach folgen wichtige Angebote und ältere Aktionen. So bleibt die Inventur handhabbar. Eine alphabetische Liste mit Hunderten Adressen kann zwar vollständig aussehen, sagt aber noch nicht, welcher Eintrag heute einen Kundenweg unterbricht.

Die Seite öffnet sich. Stimmt ihr Angebot noch?

Rufen Sie eine gefundene Altseite auf und lesen Sie sie wie ein neuer Besucher. Ist die Aktion noch gültig? Funktioniert die Anmeldung? Wird ein aktueller Ansprechpartner genannt? Öffnen Sie die angebotenen Dateien und vergleichen Sie deren Inhalt mit dem Seitentext. Eine erreichbare Seite kann veraltete Informationen enthalten, ohne einen technischen Fehlercode zurückzugeben.

Prüfen Sie auch die ausgehenden Links. Gerade auf selten bearbeiteten Landingpages können Terminziele, Zahlungswege oder Downloads überholt sein. Ein automatisierter Link-Check unterstützt die Erreichbarkeitsprüfung, erkennt aber nicht jede inhaltliche Abweichung. Ob „Frühbucherpreis bis Ende März“ noch stimmt, bleibt eine redaktionelle Aufgabe. Im Beitrag zu Kampagnenlinks und QR-Codes wird diese Verbindung zur laufenden Nutzung vertieft.

Behalten, verbinden oder gezielt verabschieden?

Für eine weiterhin nützliche Seite kann eine passende interne Verlinkung sinnvoll sein. Verlinken Sie sie dort, wo Besucher den Inhalt erwarten würden, nicht wahllos im Footer. Ist eine Seite nur für eine konkrete Kampagne gedacht, dokumentieren Sie ihre Laufzeit und einen Verantwortlichen. Ein bewusster Sonderfall ist leichter zu pflegen als ein unbemerkter Rest.

Bei einem entfallenen Angebot prüfen Sie, ob es einen passenden Nachfolger gibt. Eine Weiterleitung sollte den ursprünglichen Zweck möglichst erhalten. Ohne geeigneten Ersatz kann ein klarer Abschluss sinnvoller sein als ein Sprung auf die allgemeine Startseite. Berücksichtigen Sie dabei weiterhin verwendete Drucksachen und externe Links. Der Beitrag zum Relaunch mit sauberen Weiterleitungen hilft bei dieser Zuordnung.

Den tatsächlichen Prüfumfang sichtbar machen

Ein Scan, der internen Links folgt, sollte offenlegen, welche Seiten er tatsächlich erreicht hat. Vergleichen Sie diese Liste mit Ihrer Inventur und ergänzen Sie fehlende öffentlich erreichbare Einstiege, soweit das Werkzeug dies unterstützt. Geschützte Bereiche, Formularschritte und nur nach Interaktion sichtbare Inhalte benötigen gegebenenfalls eine separate Kontrolle. Mehr Adressen allein lösen nicht jede Zugriffsbeschränkung.

Vereinbaren Sie für neue Kampagnen künftig eine einfache Ablage: Adresse, Zweck, Laufzeit und späterer Umgang. Bei Projektende wird die Seite nicht nur aus dem Menü genommen, sondern bewusst entschieden. Diese kleine Routine verhindert, dass das nächste Website-Aufräumen wieder bei alten Excel-Dateien, vergessenen Flyern und der Frage beginnt: „Wem gehört eigentlich noch diese Anmeldung?“