Broken-Link-Check · Redaktionspraxis
Die neue Preisliste ist da. Der alte Download leider auch.

Die neue Preisliste wurde hochgeladen. Im Team ist das Thema erledigt. Nur verlinkt eine Produktseite noch die Vorjahresfassung, ein Newsletter auf eine gelöschte Datei und der Vertrieb verschickt eine dritte Version aus dem eigenen Ordner. Alle drei heißen ungefähr „Preisliste aktuell“. Das ist weniger ein Dateiproblem als ein fehlender Ablauf.
PDF-Downloads brauchen eine bewusste Pflege, weil ihre Adressen oft länger weiterleben als die Seite, auf der sie zuerst standen. Ein Link-Check kann defekte Ziele finden. Eine technisch erreichbare, aber inhaltlich veraltete Datei verlangt zusätzlich redaktionelle Kontrolle. Wenn Sie beides trennen, wird aus der Mediathek keine endlose Suche nach der neuesten endgültigen Endfassung.
Warum Google noch die alte PDF zeigt
Besonders folgenreich ist ein Einstieg, den Sie auf Ihrer Website gar nicht sehen: die Google-Suche. Ein Beispielszenario: agb_2024.pdf ist seit zwei Jahren online und von mehreren Websites verlinkt. Die neue agb_2026.pdf wurde gerade hochgeladen und im Footer eingebunden. Trotzdem kann die alte Fassung in den Suchergebnissen vor der neuen stehen. Wer sie dort anklickt, landet direkt im alten Dokument – ohne die Seite mit dem aktuellen Download oder einen Hinweis auf die neue Fassung zu sehen. Dasselbe Problem betrifft Preislisten, Gebührenordnungen und Antragsformulare.
Das heißt nicht, dass Google ältere Dateien grundsätzlich bevorzugt. Verlinkungen gehören zu den Signalen, die Google für die Rangfolge auswertet. Eine seit Langem verlinkte PDF kann dadurch weiterhin gut sichtbar sein; eine neuere Jahreszahl im Dateinamen verdrängt sie nicht automatisch. Für die Dokumentpflege bedeutet das: Es reicht nicht, nur den Downloadlink auf der eigenen Website auszutauschen. Prüfen Sie auch, welche Fassungen bei einer Suche nach Ihrem Unternehmen und dem Dokumenttitel auftauchen. Eine solche Stichprobe ergänzt die Bestandsaufnahme, ersetzt aber kein vollständiges Dokumentenverzeichnis.
Defekt und veraltet sind unterschiedliche Fehler
Ein defekter Download lässt sich nicht erfolgreich abrufen. Ein veralteter Download kann sich problemlos öffnen und trotzdem falsche Preise, alte Termine oder überholte Kontaktdaten enthalten. Der zweite Fall fällt einem rein technischen Erreichbarkeitstest nicht zuverlässig auf. Besucher erhalten eine Datei und haben zunächst wenig Anlass anzunehmen, dass sie nicht mehr gelten soll.
Prüfen Sie wichtige Unterlagen deshalb auf zwei Ebenen: Kommt die erwartete Datei an, und entspricht ihr Inhalt der aktuellen Veröffentlichung? Vergleichen Sie Titel, Stand und gegebenenfalls Gültigkeitszeitraum. Eine aussagekräftige Versionsangabe im Dokument hilft dabei. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf den Dateinamen, der beim Download möglicherweise anders dargestellt wird als in Ihrer internen Ablage.
Eine dauerhafte Adresse oder eine Datei pro Version?
Beide Ansätze können sinnvoll sein. Eine dauerhaft gepflegte Einstiegsadresse kann immer auf die aktuellen Unterlagen führen. Eindeutige Versionsdateien ermöglichen dagegen, eine bestimmte Fassung später noch gezielt zu benennen. Entscheiden Sie bewusst, welcher Zweck wichtiger ist, und vermischen Sie die beiden Modelle nicht zufällig. Ein Archivdokument sollte nicht stillschweigend durch einen völlig anderen Inhalt ersetzt werden.
Für häufig wechselnde Unterlagen ist eine stabile Downloadseite ein guter Ausgangspunkt, etwa /agb/ oder /preislisten/. Verlinken Sie diese Adresse dauerhaft auf der Website, in neuen Veröffentlichungen und in QR-Codes. Dort steht die aktuelle Fassung mit eindeutigem Stand an erster Stelle; ältere Versionen sind getrennt als Archiv gekennzeichnet. Die einzelnen PDFs behalten ihre Versionsangaben. So bleibt der Einstieg gleich, auch wenn eine neue Datei erscheint. Bestehende Direktlinks auf alte PDFs sind damit allerdings noch nicht bereinigt.
Soll eine ältere Fassung weiterhin abrufbar bleiben, aber nicht mehr über Google gefunden werden, kann Ihr Webteam gezielt für diese PDF den HTTP-Antwortheader X-Robots-Tag: noindex setzen. Google beschreibt dieses Verfahren auch für PDF-Dateien. Die Datei muss für den Crawler erreichbar bleiben; eine zusätzliche Sperre in robots.txt würde das Lesen des Headers verhindern. Die Änderung wirkt erst nach einem erneuten Abruf durch Google. Archivhinweise und ein Link zur aktuellen Fassung helfen weiterhin allen, die über alte Direktlinks einsteigen. So bleiben frühere Fassungen zugänglich, ohne mit der aktuellen Fassung in den Google-Ergebnissen zu konkurrieren.
Suchen Sie die Datei nicht nur in der Mediathek
Bevor eine alte Fassung entfernt wird, sammeln Sie ihre bekannten Fundstellen: Produktseiten, FAQs, Landingpages, Menüs und wiederverwendete Bausteine. Ergänzen Sie Newslettervorlagen, Dokumente und Vertriebsunterlagen außerhalb der Website. Ein interner Crawl kann diese externen Verwendungen nicht vollständig kennen. Die beteiligten Teams sollten deshalb wissen, welche Adresse ersetzt oder künftig beibehalten wird.
Besonders leicht übersehen werden nicht verlinkte Kampagnenseiten. Dort kann der alte Download weiterstehen, obwohl alle aktuellen Menüs bereits korrigiert sind. Ein Abgleich mit dem CMS-Bestand hilft. Im Beitrag über verwaiste Landingpages finden Sie zusätzliche Adressquellen. Die vollständige Dateiablage und die tatsächlich verlinkten Dateien sind zwei verschiedene Listen.
Öffnen Sie den Download wie ein neuer Besucher
Klicken Sie den Link auf der veröffentlichten Seite an. Prüfen Sie, ob eine PDF-Datei, eine Vorschau oder unerwartet eine Anmeldeseite erscheint. Testen Sie auch auf dem Smartphone. Die Darstellung kann sich unterscheiden, obwohl die Adresse identisch ist. Wichtig ist, dass Besucher den angekündigten Inhalt ohne unverständliche Umwege erreichen und erkennen können, welche Unterlage sie erhalten.
Der HTTP-Header Content-Disposition kann beeinflussen, ob ein Inhalt inline angezeigt oder als Download behandelt wird, und einen Dateinamen vorschlagen. Für die Abnahme zählt dennoch das tatsächliche Verhalten. Fragen Sie bei Unterschieden zwischen Browsern nach der vorgesehenen Ausgabe, statt allein aus einer einzelnen Vorschau auf einen Fehler zu schließen.
Der Versionswechsel braucht einen kleinen Abschluss
Vereinbaren Sie vor dem Austausch, welche Fassung künftig gelten soll und wer sie freigibt. Laden Sie die neue Datei hoch, passen Sie die vorgesehenen Fundstellen an und prüfen Sie die ausgelieferte Fassung. Berücksichtigen Sie dabei mögliche Zwischenspeicher. Eine bereits geöffnete Browseransicht kann noch einen älteren Stand zeigen; ein Dateiname allein beweist nicht, dass die neue Fassung bereits überall ausgeliefert wird.
Entscheiden Sie anschließend bewusst über alte Adressen. Gibt es einen passenden Nachfolger, kann eine gezielte Weiterleitung hilfreich sein. Müssen ältere Fassungen nachvollziehbar bleiben, sollten sie als Archiv erkennbar sein. Bereits heruntergeladene Kopien lassen sich durch eine Website-Änderung nicht zurückholen. Bei wichtigen inhaltlichen Korrekturen kann daher zusätzlich eine Information an bekannte Empfänger nötig sein.
Wer bemerkt, dass die nächste Fassung fällig ist?
Jede wichtige Unterlage sollte einen fachlichen Verantwortlichen und einen Überprüfungsanlass haben. Bei einer Preisliste ist das etwa eine Preisänderung, bei Kursunterlagen ein neuer Durchgang und bei technischen Daten eine Produktrevision. Das Webteam muss nicht selbst erraten, wann diese Inhalte überholt sind. Es braucht eine klare Rückmeldung und die richtige neue Datei.
Ergänzen Sie technische Linkprüfungen durch eine kleine redaktionelle Wiedervorlage für die entscheidenden Downloads. So werden sowohl nicht erreichbare als auch noch erreichbare, aber überholte Unterlagen bearbeitet. Der Beitrag zu defekten Produktlinks, Bildern und PDFs zeigt den Zusammenhang mit Kundenwegen. Gute Dateipflege merkt man selten. Schlechte Dateipflege merkt man spätestens, wenn ein Kunde mit dem falschen Preisangebot zurückkommt.

